Sinnstiftende Zusammenarbeit braucht Hirn!

Mich faszinieren seit Jahren die Vorgänge in unseren Köpfen. Heute möchte ich Euch einen Einblick in die Tiefe von Kooperation geben.
Doch was haben Neurowissenschaften mit Zusammenarbeit zu tun?
Mit einem Wort: ALLES.

Das Gehirn besteht aus Nervenbahnen, also Bündel von Neuronen, die via Synapsen die Verbindung halten. Unser Hirn verdrahtet sich bereits ab der der 3. Schwangerschaftswoche. Die Entwicklung von Gehirn und Nervensystem dauert bis zum Ende der 8. Woche. Damit sind Gehirn und Rückenmark bereits vollständig angelegt. In dieser Zeit sind die neuronalen Strukturen besonders flexibel und anfällig für äussere Reize. Das heisst, dass wir bereits als Embryo viele wichtige Lernerfahrungen v.a. im Bereich des Unbewussten durchlaufen. Beispielsweise werden dort bereits Strukturen in einer «ersten Version» angelegt, wie wir Informationen verarbeiten und mit anderen verbinden. Dies ist eine der unerlässlichen Funktionen, damit Lernen überhaupt funktionieren kann. Die frühe Entwicklung des Gehirns beeinflusst zwar die Art und Weise, wie wir die Welt betrachten, aber mit anhaltender und beständiger Praxis kann das Gehirn neue Nervenbahnen (=Lernerfahrungen) dank dieser Funktion schaffen. Doch wie gelingt dies?

Die Tiefe der Wissenschaft

Du kannst dir die Entwicklung der Nervenbahnen in deinem Gehirn mit der Einrichtung eines Pfades im Wald vergleichen. Dein Gehirn stellt eine Verbindung zwischen zwei Ideen oder Objekten her, indem es elektronische Impulse zwischen entsprechenden Neuronen hin und her sendet. Mit der Wiederholung werden Deine Nervenbahnen verstärkt und damit stärker – nichts anderes als eine Art Trampelpfad. Das Gehirn versucht, durch das Prinzip der synaptischen Effizienz Energie zu sparen, indem es neuronale Nachrichten entlang der effizientesten (elektrisch am wenigsten widerstandsfähigen) Bahnen leitet. Sobald diese Bahnen stark sind, kann das Gehirn zwei Ideen effizienter verbinden und schneller und stärker reagieren. Unsere Wahrnehmungen werden durch diese effizienten neuronalen Bahnen gefärbt. Diese können sowohl für, als auch gegen uns arbeiten. Die neuronalen Bahnen beeinflussen unser Verhalten nicht nur, sie sind unser Verhalten. Diese Verbindung zwischen zwei Ideen im Gehirn definiert unser tägliches Handeln und unsere Interaktionen.

Schauen wir uns Kooperation und Zusammenarbeit etwas genauer an.
Jeder Mensch hat tiefsitzende, neurologisch begründete Unterschiede in seinen Wahrnehmungen, Annahmen und der Auswahl der Stimuli (Trigger, Muster). Denn nicht jedes Hirn hat sich gleich verdrahtet aufgrund seiner Erfahrungen. Das bedeutet also auch, dass wir auf die gleiche Realität unterschiedlich reagieren oder eben Muster übersehen. Um als Teil eines Teams oder einer Beziehung effektiv zu sein, ist es entscheidend, dass wir verstehen, was unsere Impulse und die Impulse anderer antreibt.

In der aktuellen Forschung und Anwendung tiefer graben

Michael Sturm, ein lernender Diagnostiker und Sozialpsychologe, studierte mit Edwin und Sonia Nevis am Gestaltinstitut in Cleveland. Die Gestaltpsychologie untersucht, wie Menschen sich bestimmter Reize in der Welt bewusst werden, welche Reize sie „auswählen“, um darauf zu reagieren, welche Energie sie in diese Handlung investieren, wo sie stecken bleiben und wie diese Interaktion die nachfolgende Interaktion mit einem anderen, ähnlichen Reiz verändert (oder nicht verändert).

Sturm war der Ansicht, dass dieses Modell zu komplex und abstrakt sei. Er wollte die Menschen dazu befähigen, zu erkennen, wohin ihre natürlichen Energien sie am bequemsten bringen würden, und sie in die Lage versetzen, dieses Wissen zu nutzen, um erfolgreich und mit dem geringsten Stress durch die Welt zu navigieren. Mit diesem Wissen beginnt der Einzelne, seine Stärken auf die jeweiligen Bedürfnisse abzustimmen und sich auf andere zu verlassen (und Unterstützung anzubieten), wenn Aufgaben, die mehr Energie erfordern, ihn bremsen könnten. Dies wurde zu Sturms Lebenswerk und spiegelt sich heute in der 5 Dynamics Methode wider.

Fähigkeiten oder Aufgaben, die man „von Natur aus gut“ beherrscht (oder stundenlang ausführen kann, ohne sich ausgelaugt zu fühlen), folgen diesen am wenigsten widerstandsfähigen neuronalen Bahnen im Gehirn. Wenn Menschen also zu stark in Kapazitäten arbeiten, die ihren natürlichen Energien dagegen stehen, kann dies das Risiko von Erschöpfung und Burnout erhöhen. Diese individuellen Energien sind eng damit verbunden, wie ein Individuum mit Teammitgliedern, Chefs, Stakeholdern und Kunden arbeiten kann.

Tiefe Auswirkungen am Arbeitsplatz

Bei der Zusammenarbeit mit Mitarbeitern ist es wichtig zu erkennen, dass Menschen auf allen Ebenen in unterschiedlichen Kapazitäten an unterschiedlichen Aufgaben in verschiedenen Projektphasen arbeiten. Dabei geht es weniger um Stärken und Schwächen, als um die Ermittlung der Bereiche, für die ein Einzelner die meiste Energie hat. Hier kann die produktive Zusammenarbeit verbessert werden, wenn die Art und Weise, wie man ein Team leitet und eine Kultur aufbaut diesen Erkenntnissen folgt. Indem Bereiche identifiziert werden, in denen Individuum, Team und Führung Aufgaben leicht erledigen oder gemeinsam an Projekten arbeiten können (und sich dennoch erfüllt und herausgefordert fühlen), wird ein Teamumfeld geschaffen, das Positivität und Erfolg fördert und Wege zum Dialog bietet, die vorher unbekannt waren.

Indem wir nun wissen wie unser Gehirn und das der Mitmenschen verdrahtet ist, kennen wir auch die Kernkomponente, die für den Aufbau eines erfolgreichen Teams oder einer erfolgreichen Organisation notwendig ist. Wenn jedes Individuum weiss, was es tut und warum, so kann sich eine Gruppe von Menschen auf ein gemeinsames Ziel ausrichten und bestimmen, wo sie sich eingliedern und wo sie um Unterstützung bitten können. Teams beginnen, sich auf natürliche Weise um diesen Ansatz herum auszurichten. Mit dem Unterschied, dass sie verstehen, was aus neurologischer Sicht geschieht, und sich so nicht mehr von Unterschiede abschrecken lassen. Stattdessen findet eine Begegnung in der Tiefe und auf Augenhöhe statt, die von allen geschätzt wird.

Wir haben immer gewusst, dass Menschen die Welt anders sehen.
Jetzt wissen wir, warum. Auf dieser Grundlage können wir effektive, produktive und kooperative Organisationen aufbauen.

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